JONA (dpa-AFX) - Eine florierende Nachfrage in den Schwellenländern hat dem Schweizer Baustoffkonzern Holcim im ersten Halbjahr einen Gewinnzuwachs beschert. Der Reingewinn nach Minderheiten sei um neun Prozent auf 389 Millionen Schweizer Franken (324 Mio Euro) gestiegen, teilte der HeidelbergCement -Konkurrent am Mittwoch in Jona mit. Der operative Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) wuchs um 1,9 Prozent auf 1,93 Milliarden Franken. Der Umsatz kletterte um 2,1 Prozent auf 10,36 Milliarden Franken. Bereinigt um Währungseffekte war dies ein Plus von 5,8 Prozent.
Mit seinen Zahlen traf das Unternehmen die Schätzungen der Analysten weitgehend. Den Ausblick für das Gesamtjahr bestätigte der Baustoffkonzern. Beim operativen EBITDA peilt Holcim einen organischen Zuwachs an. Auch das Sparprogramm laufe nach Plan, hieß es. Die Aktie gab im frühen Handel um gut ein Prozent nach.
Mehr verkaufen konnte Holcim in den ersten sechs Monaten in den aufstrebenden Märkten und in Nordamerika. Einen deutlich höheren Zementabsatz erzielten die Schweizer unter anderem in Indien, Thailand, Indonesien und auf den Philippinen, aber auch in den USA und Mexiko. In Russland und Aserbaidschan profitierte Holcim ebenfalls von einer stärkeren Nachfrage. Dieses positive Bild stehe im Kontrast mit der durch die Schuldenkrise geprägten negativen Marktentwicklung in Europa, hieß es.
Erst im Mai legte Holcim ein neues Sparprogramm auf und verschärfte dieses vor kurzem. Unter anderem strafft die Gesellschaft ihre Konzernstruktur. Bereits im laufenden Geschäftsjahr will der HeidelbergCement-Konkurrent bis zu 300 Millionen Franken einsparen. Dies sagte der neue Holcim-Chef Bernard Fontana in einem Zeitungsinterview. Ursprünglich sollten die Kosten 2012 um mindestens 150 Millionen Franken sinken. Die Schweizer wollen so ihr operatives Ergebnis im Zeitraum 2012 bis 2014 um insgesamt 1,5 Milliarden Franken verbessern. Holcim leidet wie die gesamte Branche unter kräftig gestiegenen Energiekosten und der Wirtschaftskrise in Südeuropa.
Die Lage in Europa bleibt den Unternehmen zufolge schwierig. "In Spanien haben wir die Bodenbildung noch nicht erreicht", sagte Finanzchef Thomas Aebischer. In Italien dürfte man hingegen angesichts der Investitionsrückgänge in der Infrastruktur am Tiefpunkt angekommen sein. Inklusive der weiter wachsenden Märkte Russland und Aserbaidschan rechnet Holcim in Europa insgesamt mit einer stabilen Entwicklung in der zweiten Jahreshälfte.
Große Hoffnungen setzt der Schweizer Baustoffkonzern wie viele andere internationale Konzerne auf die Schwellenländer. Bereits jetzt liegen dort drei Viertel der Kapazitäten. Aber auch für Nordamerika geht Aebischer von weiteren Zuwächsen aus. "Wir werden hier nicht mehr die großen Steigerungen wie im ersten Quartal sehen, aber 3 bis 5 Prozent sind erreichbar", sagte er.
Holcim-Chef Fontana erwartet nach früheren Aussagen für den weltweiten Baumarkt bis 2020 einen Zuwachs auf 12 Billionen US-Dollar. Das wären 67 Prozent mehr als im Jahr 2010. Zum Plus sollen vor allem China und Indien beitragen. In China ist Holcim mit knapp 42 Prozent am Unternehmen Huaxin Cement beteiligt. In Indien gehören den Schweizern die beiden Unternehmen ACC und Ambuja Cement./yr/AWP/mne/jha/fbr
Delicious
Facebook
Google Buzz
LinkedIn
Twitter
Xing

